Posted on 31-12-2012
Filed Under (Diverses, Musik) by Urius

Während ich TV-Jahresrückblicken in 2012 komplett aus dem Weg gehen konnte, war ich vor allem in der Zeit um Weihnachten herum unglaublich vielen Bestenlisten ausgesetzt. Ob es sich dabei um die besten Filme, Bücher oder sonstwas handelte, Listen gibt es mittlerweile ja mehr als alles andere. Das einzige Thema was mich dabei aber wirklich interessiert ist Musik – Alben in erster Linie und an zweiter Stelle von mir aus auch noch einzelne Songs. Und ich muss gestehen: Die Versuchung, eine solche Liste selbst zu erstellen ist immer mal wieder vorhanden. Doch dabei habe ich immer gleich mehrere Probleme. Ein Top-Problem in diesem Jahr: Meine Plattensammlung ist so enorm gewachsen, dass ich mich nicht im Stande fühle, über alle Neuzugänge in angemessener Weise zu urteilen. Ganz abgesehen von den Neuerscheinungen, die ich gar nicht berücksichtigen kann, weil ich sie nicht kenne – man muss sich also nach dem Erstellen einer solchen Liste direkt mit deren Unvollständigkeit auseinandersetzen, eine hässliche Vorstellung…

Trotzdem bin ich eben mal am Schrank vorbeigeschlichen und habe einige Platten in die Hand genommen, nicht unbedingt die besten, aber zumindest alle aus 2012, wenn ich auch manche ausgelassen habe. Insgesamt komme ich dabei auf 20 Alben und 3 EPs. Die jetzt alle in eine Reihenfolge zu bringen, erscheint mir erstmal unmöglich. Ich ziehe einfach mal was aus dem Stapel und schaue, ob mir dazu etwas einfällt…Spannung….

Da hätten wir zum Beispiel The Holy Mess: Nach dem schwarz-weißen Cover fällt erstmal der komische Albumtitel auf. Cande Ru Las Degas heißt das Teil und ich für meinen Teil habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Ich denke irgendwie direkt an Las Vegas, bin mir aber nicht sicher, ob da irgendeine Verbindung besteht. Dass ich keinen Plan habe, stört mich aber nicht, das Album ist mehr als solide, das reicht mir. Als Bonus gibt es noch herausragende Songtitel wie zum Beispiel Asleep In A Room Full Of Dog Shit oder The Saddest Girl To Ever Hold A Martini. Wer die Loved Ones oder Nothington mag, der kann sich vermutlich auch hiermit anfreunden. Aber ist es das beste Album des Jahres? Könnte sein, von der schlechtesten Platte jedenfalls ist es deutlich weiter entfernt. Noch einmal schnell in den Stapel gegriffen…

Brendan Kelly & The Wandering Birds: Hier haben wir direkt mal so einen Fall. Wirklich oft gehört habe ich das Album nicht, gekauft habe ich es vor allem, weil ich den Opener Suffer The Children, Come Unto Me so genial fand. Darüber hinaus kann ich gar nicht so viel zu I’d Rather Die Than Live Forever sagen. Außer natürlich, dass Brendan Kelly eigentlich bei The Lawrence Arms beheimatet ist, die ja 2006 mit Oh! Calcutta! einen Riesenknaller landen konnten. Aber ist I’d Rather Die Than Live Forever das beste Album des Jahres? Wohl eher nicht, aber einzelne Songs haben es durchaus in sich. Was haben wir sonst noch so…

Torche: Harmonicraft heißt das 2012er Album, das ich alleine schon wegen der bonbonfarbenen Auflage für den Plattenteller haben musste. Daneben punktet es auch noch mit einem absolut abgefahrenen Artwork. Musikalisch gesehen ist es eigentlich gar nicht so mein Kerngebiet, werden Torche doch häufig als Stoner Metal beschrieben. Sowas würde ich ja eher dem Kompetenzbereich anderer Leute zuordnen. Trotzdem kann ich mich mit dem Album gut anfreunden, Kicking beispielsweise hat schon richtiges Hit-Potenzial. Aber ist es das beste Album des Jahres? Für mich ist es stilmäßig zu weit ab vom Schuss, aber zumindest wird es das Jahr 2012 überleben und noch das ein oder andere Mal auf dem Plattenteller landen.

Sharks: Wenn man sich nicht daran stört, dass No Gods ziemlich eingängig und poppig daherkommt, findet man darauf einige Perlen. Für Oli ist es also vermutlich nix, dafür ist es wohl das, was man als allgemeinverträglich bezeichnen würde. Mit der richtigen Promotionerie könnte ich mir die Band schon bald deutlich bekannter/erfolgreicher vorstellen. Mal sehen, ob es tatsächlich so kommt. Aber ist No Gods das Album des Jahres? Nee.

Downtown Struts: Victoria! ist eines der letzten Alben, das in diesem Jahr bei mir ankam – und dann gleich zweimal, weil ich es aus Versehen nochmal bestellt hatte. Damit habe ich aber überhaupt kein Problem, schließlich sind es zwei unterschiedliche Varianten. Darüber hinaus ist Victoria! einer meiner Favoriten des Jahres. Irgendwie ist das Album in sich sehr stimmig, dabei schön roidig und catchy zugleich – quasi so eine Art modernes Shock Troops. Keine Ahnung warum, aber irgendwie hatte ich gleich dieses Cocksparrer-Feeling, vielleicht liegt das irgendwie am Label. Aber ist es das Album des Jahres? Von allen genannten Platten bin ich hier am ehesten geneigt, “Ja” zu sagen. Irgendwie sind Songs wie Rocca Ave., Back To N.Y. und Lost In America genau das, worauf ich 2012 gewartet habe. Für mich auf jeden Fall unter den Top 3.

So, hier sieht man mal wieder einen weiteren Grund dafür, dass ich solche Best-Of-Listen nicht machten kann – es dauert einfach zu lange. Naja, wenigstens sind jetzt mal fünf Alben des Jahres erwähnt worden, von denen ich bis jetzt so gut wie nichts in irgendwelchen Rückblicken gelesen habe. Morgen bzw. nachher geht es übrigens zum Jahreswechsel zum Gierse. Mal schauen, was Frankfurt so zu bieten hat, wird bestimmt lustig. Guten Rutsch allerseits!


Cut Me Off I Think I’ve Had Enough

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