Posted on 15-08-2014
Filed Under (Aktionen, Musik) by Urius

Seit nun mittlerweile gefühlten 47 Jahren fahre ich jedes Jahr 400 Kilometer bis ins entlegene Roitzschjora, um dort dem Umpflügen eines riesigen Ackers beizuwohnen. Auf der anderen Seite findet nur wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt, jedes Jahr ein Festival statt, bei dem der Eintritt nur 15 Tacken und der Schoppen nur unschlagbare Einssechzig kostet. Was läuft da denn bitteschön falsch? Nun gut, also zuerst muss man natürlich sagen, dass das With Full Force und das Tells Bells in keinerlei Konkurrenz stehen, weil sie zeitlich gesehen doch recht ordentlich auseinander liegen. Die Frage sollte daher also vielmehr lauten: Warum bin ich bisher nicht immer zu beiden Veranstaltungen angetreten?

Die Antwort ist schlicht und ergreifend: keine Ahnung! Ich wusste mehr oder weniger schon immer, dass es dieses Festival gibt und war mir auch darüber bewusst, dass dort mit schöner Regelmäßigkeit Bands spielen, die mich interessieren. Was mich letztendlich davon abgehalten hat, mich ins beschauliche Villmar zu begeben, werden wir jetzt nicht mehr für jedes einzelne Jahr klären können.

So oder so, dieses Jahr war es endlich soweit. Das Lineup war mir endlich einmal richtig aufgefallen und ich hatte es relativ schnell als durchaus positiv bewertet. Glücklicherweise waren auch Moe und Admiral Opp von Opperstedt schnell zu begeistern, mich am Samstag in den Nachbarort des klangvollen Runkel zu begleiten. Punkt irgendeine Uhrzeit holte ich die beiden also am Bad Homburger Bahnhof ab und der gute Daihatsu Sirius fuhr uns über Berg, Tal und Heinzenberg bis kurz vor das Festivalgelände. Auf der Abfahrt zum Park-/Zeltplatz setzte das Fahrzeug kurz auf und erfasste dann sogleich ein Absperrband, an dem noch ein gottverlassener Camper versuchte das japanische PS-Monster zu bändigen. Unter dem Gelächter der Fahrzeuginsassen wurde der Unglückliche einmal kurz von seinem Klappstuhl gerissen, dann war der Spuk auch schon zu Ende.

Der erste Eindruck vom Festival selbst war durchaus positiv: klein, aber fein, übersichtlich, mit fairen Preisen und einem dennoch professionellen Festivalbändchen (sponsored by Auto Bach). Dank meiner Fahrerfahrung in Feld- und Wiesengebieten hatten wir es sogar noch rechtzeitig zu BANE geschafft, die aber vom noch recht trägen und vermutlich auch nicht vollständig Hardcore-affinen Publikum eher verschmäht wurden. Ich jedenfalls erinnerte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal gerne an die Monster-Tour zusammen mit HAVE HEART und CEREMONY zurück und freute mich, BANE noch einmal vor der Auflösung gesehen zu haben.

Danach gab es für uns erstmal eine kleine Pause bei feinstem Wetter, in der nicht nur irgendeine wilde Hip-Hop-Kombo aufrtat, sondern in der wir auch schnell noch ein Foto mit Toby von H2O machten – auf dem winzigen Festivalgelände hatte er auch kaum eine Chance auszuweichen. Nach NH3, den abgedrehten Ska-Dudes aus Italien(?), und ANCHORS & HEARTS war dann für mich ein erstes dickes Highlight angesagt: A WILHELM SCREAM. Die tappenden Wunderknaben aus New Bedford traten auch wieder voll aufs Gas und prügelten einen Knaller nach dem anderen von der Platte (leider ohne dabei We Built This City On Debts Ans Booze, These Dead Streets und Killing It zu berücksichtigen). Normalerweise würde ich jetzt ja das Bild hier einfügen, das ich am Samstag gemacht habe, nur leider ist flickr irgendwie ganz komisch zu bedienen heutzutage.

Naja, jedenfalls wurde danach noch schön etwas Merch gekauft und ans Auto gebracht. Auf dem Weg dorthin trafen wir rein zufällig den Ost und die Ramona, wat ne Überraschung. Es gab ein großes “Hallo” und der Ost hatte einfach eine der weltbesten Kappen aller Zeiten auf – good times. Als wir wieder vom Auto zurückkamen ging es mit den RYKER’S direkt ordentlich weiter. Die Hardcore-Veteranen schwangen die Keule und hier war auch direkt deutlich mehr los als bei allen anderen Bands davor. Gut, es war auch mittlerweile Abend geworden, aber der fast schon vorhandene Heimvorteil machte eventuell auch noch etwas aus.

Im Anschluss dann für mich mit H2O das zweite große Highlight. Auf dem Groezrock musste ich sie mir dieses Jahr leider durch die Lappen gehen lassen, weil das Zelt einfach zu voll war. Umso leichter war es dieses Mal, bis ganz nach vorne zu kommen – definitiv ein Vorteil des kleinen Festivals. Wie zu erwarten war, gab es alle Hits: Faster Than The World, Guilty By Association, One Life One Chance und und und. Abgesehen von den wilden Zwischenrufen des “skinniest motherfucker around”, der zuvor schon versucht hatte, meine Kappe (und die vom Ost) zu ertauschen und der später auch splitternackt im Merchzelt herumgewuselt hatte, lief die Sache auch gewohnt harmonisch ab. Jeder kannte jedes Lied, sang alles mit und freute sich bis aufs Blut – wenn ich hier mal von mir auf andere schließen darf.

Der Headliner, RAISED FIST, brauchte dann gefühlte Jahrzehnte, um auf die Bühne zu kommen. In der Zeit hatte jeder von uns mehrere Burger gefressen und die anderen mindestens drei Mal verloren. Trotz Völlerei und Suchaktionen: Immer noch stand kein Headliner auf der Bühne. Wir schauten uns ein Danzig-Video an und entschieden Heim zu fahren, schließlich musste ich die Drinking Crew noch nach Frankfurt karren. Also schnell zurück zum Auto und die Anlage aufgerissen. Im Spielschacht keine Geringeren als CULTURE CLUB. Mit heruntergelassenen Hosen Fenstern und Karma Chameleon auf Anschlag fuhren wir vielsagenden Blickes im Schritttempo an sichtlich irritierten Dorfbewohnern vorbei – ein Spaß für die ganze Familie und definitv eine der schönsten Festival-Heimfahrten seit langer Zeit.


I’m a man without conviction

(0) Comments    Read More   
Post a Comment
Name:
Email:
Website:
Comments:

WP-SpamFree by Pole Position Marketing